Glockengeläut und Musik

Weshalb und wann läuten unsere Kirchenglocken?

Das Läuten der Kirchenglocken hat eine lange Tradition. Die Glocken rufen zur Betzeit und strukturieren den Tag. Früher warnten sie auch vor Gefahren wie Feuer und Hochwasser.

Sie geben nicht nur dem Tag, sondern auch der Woche einen Rhythmus und weisen auf wichtige Ereignisse im Jahreslauf hin. Sie läuten bei traurigen und fröhlichen Ereignissen. Und

sie fordern uns auf, in unserem Alltag einen Moment innezuhalten und zu beten.

Es ist stiller geworden um uns herum. Die Vögel trillieren in der Morgenfrühe konkurrenzlos. Die Kirchenglocken, mögen sie einem auch sehr laut erscheinen in dieser Stille, sind mir in den letzten Wochen wichtiger geworden. Sie sind wie ein anderes Navi. Sie weisen auf eine andere Realität hin. Sie verbinden uns alle, ob wir das wollen oder nicht.

Der Glockenklang findet uns schlafend oder wachend, gesund oder krank. Die Glocken rufen uns heraus aus dem, was uns umtreibt, hinaus in eine neue Gemeinschaft untereinander und mit Gott. Sie rufen mich in die Gegenwart Gottes.

In Füllinsdorf läuten die Glocken um sieben Uhr morgens, um 11 Uhr, um 16 Uhr und abends um 20 Uhr (im Winter um 19 Uhr). Nachts verstummt der Stundenschlag zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens.

In Frenkendorf läuten die Glocken um sieben Uhr morgens, um 11 Uhr gegen Mittag, um 16 Uhr und abends um 20 Uhr (im Winter um 19 Uhr).

Wenn ich dann noch weiss, dass jede Glocke eine bestimmte Bedeutung hat und mit einer Inschrift versehen ist, dann höre ich das Läuten noch einmal auf einer anderen, tieferen Ebene.

In Frenkendorf riefen die Glocken am Ostermorgen 1925 zum ersten Mal zum Gottesdienst. Sie erinnern damit daran, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, dass Christus auferstanden ist, dass ein neuer Tag angebrochen ist. Und das gilt nicht nur für den Ostersonntag, sondern für jeden neuen Tag.[1]

Die grösste Glocke ist auf Es gestimmt. Auf ihr sind die vier Evangelisten abgebildet. Sie trägt die Inschrift: „O Land, Land, höre des Herrn Wort“.[2] Die zweite Glocke ist auf As gestimmt mit der Inschrift: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“ aus der Weihnachtsbotschaft des Evangelisten Lukas und zeigt Engel und Hirten. Die dritte Glocke auf B gestimmt zeigt Reiter aus der Apokalypse und einen Text aus den Klageliedern: „Die Güte des Herrn ist’s, dass wir nicht gar aus sind.“ Und schliesslich ertönt die vierte Glocke auf C gestimmt mit der Inschrift aus dem Unser Vater: „Dein Reich komme“, und zeigt ein Bild mit den klugen und törichten Jungfrauen.

In Füllinsdorf konnte eine Delegation der Kirchgemeinde beim Giessen der Glocken am 4. September 1975 mit dabei sein. Nach altem Brauch wurde die Zeremonie mit den Worten: „Das walte Gott“ eröffnet. Auch daran könnten wir denken, wenn wir die Glocken läuten hören. Viele Füllinsdörfer haben im selben Jahr die Glocken eigenhändig aufgezogen, die Kirche wurde  1976 eingeweiht.[3]

Die erste Glocke ist auf Des gestimmt, hat einen Durchmesser von 153 cm und wiegt 2‘100 kg. Sie trägt die Inschrift: „Mein Ruf ertönet Gott zu Ehren; Jugend, früh sollst du ihn hören.“ Sie ist gestiftet und gewidmet worden vom Kirchenbauverein. Die nächstkleinere Glocke ist auf F gestimmt, 120 cm im Durchmesser und 1000 kg schwer. Eine Einladung von Jesus ist auf ihr eingraviert: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid“.[4] Die dritte Glocke ist auf As gestimmt und wiegt noch 620 kg mit einem Durchmesser von 102 cm und mit der Inschrift: „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben.“.[5] Die kleinste Glocke mit 420 kg und 89 cm Durchmesser  ist auf B gestimmt erinnert an die Regel der Benediktiner: ora et labora, bete und arbeite.

Doch nicht nur zum Beten und Arbeiten laden die Glocken ein. Sei laden uns ein, Gott zu suchen, in der Stille, im Gebet, in der Meditation, zuhause und beim Spazierengehen. Wo und wie auch immer der Schall der Glocken uns trifft, ich habe in den letzten Wochen neu gelernt, diese Struktur zu schätzen, weil sie mich auf Gott verweist, mich herauslöst aus dem irdischen Sorgental und weil sie mir die Gelegenheit gibt, in die Tiefe und in die Höhe zu wachsen. Machen wir uns auf den Weg, jeder für sich und doch verbunden. 

Mache dich auf den Weg und suche das Licht, das tief in deiner Seele unter vielen Traurigkeiten fast erloschen ist.

Mache dich auf den Weg und grabe die Hoffnung aus, die tief in deiner Seele unter tausend Ängsten ganz verschüttet ist.

Mache dich auf den Weg und lass die Lebenskräfte frei, die tief in deiner Seele durch erlittene Schmerzen ganz gefesselt sind.

Mache dich auf den Weg und finde wieder heim zu dir selbst. Und du wirst wieder leuchten und hoffen und leben.[6]

Bleiben Sie behütet. Ihre Andrea Kutzarow 

[1] Das Foto ist dem Büchlein „Die Kirche St. Margaretha in Frenkendorf“ von Pfr. Dr. Reiner Jansen entnommen.
[2] Jeremia 22,29.
[3] Das Foto stammt von SA.
[4] Matthäus 11,28.
[5] Offenbarung, 14,13.
[6] Christa Spilling-Nöker, Ich schenke dir ein gutes Wort, S. 50

Glockengeäut der Kirche St. Margaretha, Frenkendorf

Glockenläuten aus Füllinsdorf
The Rose, gespielt von Beat Hirschi, Trompete nd Christoph Grau Kaufmann, E-Piano, am Ostergottesdienst 2025

Ostergottesdienst 2025

THE ROSE, gespielt von Beat Hirschi, Trompete und Christoph Grau Kaufmann, E-Piano

The Rose, Ostergottesdienst 2025

Hier erklingen Orgelklänge aus unserer Kirche in Frenkendorf, gespielt am Palmsonntag von unserem Organisten Moses Kobelt

An der Orgel: Moses Kobelt, Text von Pfarrer Andreas Marti, Lauwil, gesprochen von Pfarrer Peter Leuenberger

Befiehl du deine Wege

Meine Hoffnung, El Senyor (Taizé)